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HOMOSEXUALITÄT Können wir darüber reden?

Ein Appell an heterosexuelle Adventisten
Was ist Homosexualität?

Homosexualität ist ein wissenschaftlicher Begriff, der im späten 19. Jahrhundert entstand, um das Empfinden einer Gruppe von Menschen zu beschreiben, die – wie man neu wahrgenommen hatte – sich natürlicherweise physisch und emotional nicht zum anderen sondern zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlen. Zur gleichen Zeit entstand der Begriff Heterosexualität, der das Empfinden von Menschen beschreibt, die sich vom anderen Geschlecht angezogen fühlen. Die menschliche Sexualität ist eine höchst komplexe Angelegenheit und beinhaltet sehr viel mehr als nur die Feststellung, wer sich zu wem hingezogen fühlt. Sexualität ist ein integrativer Bestandteil unserer menschlichen Persönlichkeit, der darüber bestimmt, wie eine Person ihre Lebenswelt und insbesondere ihre zwischenmenschlichen Beziehungen versteht und gestaltet.

Was Homosexualität nicht ist

Wie manche Menschen “Siebenten-Tags-Adventisten” mit den “Heiligen der letzten Tage” (Mormonen) verwechseln, so verwechseln Heterosexuelle die Bezeichnung Homosexualität oft mit Begriffen, die völlig andere Inhalte und Bedeutungen transportieren. Homosexualität ist nicht gleichbedeutend mit:

  • Pädophilieeine Bezeichnung für Menschen die sexuell auf Kinder fixiert sind und sich an ihnen vergehen: eine krimineller Tatbestand, der strafrechtlich verfolgt wird. Es wird angenommen, dass u.a. Machtphantasien, Entwicklungsstörungen oder eigene Missbrauchserfahrungen in der Kindheit ursächliche Auslöser für solche abnormalen Neigungen und Verhaltensweisen sind.
  • Transsexualität eine Bezeichnung für Menschen, die sich emotional und psychisch mit dem Geschlecht identifizieren, dessen körperliche Merkmale und Organe sie nicht besitzen.
  • Intersexualitäteine Bezeichnung für Menschen, die mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen oder Geschlechtsorganen beider Geschlechter geboren wurden.
 Kennst Du jemanden der homosexuell ist?

Vielleicht… – aber du magst dir dessen gar nicht bewusst sein. Manche Forscher glauben, dass ca. 10% der Bevölkerung homosexuell Fühlende sind, sich aber viele nicht zu ihrer Homosexualität bekennen aus Angst ausgegrenzt oder sogar verfolgt zu werden. Eine Umfrage der Abteilung Familie der Generalkonferenz ergab vor einigen Jahren, dass weltweit ca. 10% der Adventisten sich unmittelbar mit dem Thema Homosexualität auseinander setzen müssen. Legt man die aktuelle Mitgliederzahl von fast 15 Millionen Adventisten zugrunde, bedeutet dies, dass es in unseren Reihen bis zu 1,5 Millionen homosexuelle Mitglieder oder in deren Umfeld Mitbetroffene gibt. Leider verlassen viele von ihnen unsere Gemeinden, weil sie auf Ablehnung und Verurteilung stoßen.

Ist Homosexualität eine Frage der Wahl? 

Oder anders gefragt: Erinnerst du dich daran, wann du dich bewusst dafür entschieden hast heterosexuell sein zu wollen? Niemand wählt sich aus, zu welchem Geschlecht er oder sie sich hingezogen fühlt, das ist keine bewusste willentliche Entscheidung. Menschen mit homosexueller Orientierung erkennen in der Regel nach und nach, meist klarer erst in der Phase der Adoleszenz, dass sich ihre sexuellen Gefühle von denen der meisten Menschen um sie herum unterscheiden. Viele Homosexuelle sagen: “Warum sollte irgend jemand eine bewusste Wahl treffen, die Ausgrenzung, Ablehnung und Hass vonseiten des Freundeskreises oder der Familie nach sich zieht?” Außerdem ist sexuelles Verhalten nicht zwingend gleichbedeutend mit sexueller Orientierung. So entscheidet sich beispielsweise manch ein Heterosexueller hin und wieder für gleichgeschlechtliche Sexualkontakte, während ein Homosexueller eine Ehe eingeht um den gesellschaftlichen Normen zu entsprechen – doch lässt sich aus solchem Verhalten noch kein verbindlicher Rückschluss auf die wirkliche sexuelle Orientierung ableiten.

 Worin liegen die Ursachen von Homosexualität?

Forschungsergebnisse aus den letzten 30 Jahren stützen die Auffassung, dass die vorgeburtliche Entwicklung des Gehirns und eine genetische Konditionierung die wahrscheinlichsten Ursachen für männliche Homosexualität darstellen. Die Konzentration männlicher Hormone in der Gebärmutter könnte die Entwicklung des “Paarungszentrums” im Gehirn des Ungeborenen beeinflussen. Genetische Untersuchungen an ein- und zweieiigen Zwillingen lassen den Schluss zu, dass genetische Einflüsse eine entscheidende Rolle spielen. Über die Entstehung weiblicher Homosexualität wurde weniger geforscht, doch auch hier gibt es Hinweise dafür, dass genetisch bedingte Ursachen zu biologischen Verschiedenheiten führen. Ferner glauben einige Experten, dass Umweltfaktoren dieses biologische Anderssein fördern oder verstärken können. Solche biologische Faktoren sind weder vergleichbar mit einer genetischen Tendenz zu Alkoholismus oder Suchtverhalten, noch mit einer Neigung zu betrügerischem oder promiskuitiven Verhalten. Viele Forscher glauben, dass die sexuelle Orientierung ebenso entsteht wie die Augen- oder Haarfarbe oder wie Rechts- oder Linkshändigkeit: als Variante oder “Laune” der Natur. Denn homosexuelle Orientierung lässt sich in nahezu allen Spezies beobachten.

Ist Homosexualität heilbar?

Authentische, unabhängige, von Experten überprüfte medizinische Studien liefern keine Beweise dafür, dass dauerhafte Verhaltensänderungen möglich sind. Viele, die behaupten ihre Homosexualität überwunden zu haben, tun dies unter Berufung auf ihren religiösen Glauben, dass Gott dies bewirkt habe. Sie mögen einen heterosexuellen Partner geheiratet und Kinder haben, doch seriöse Studien kommen zu dem Ergebnis, dass die meisten dieser “Geheilten” schließlich erkennen müssen, dass keine echte “Umpolung” ihrer sexuellen Orientierung eingetreten ist. Viele Homosexuelle, die in adventistischen Elternhäusern aufgewachsen sind, haben Jahre damit verbracht Gott anzuflehen sie zu ändern. Sie suchen seelsorgerliche Hilfe, nehmen an „Heilungsprogrammen“ teil, versuchen es mit Aversionstherapie und sogar mit Exorzismus – alles ohne Erfolg. Es ist seelische Grausamkeit, ihnen dann vorzuhalten, dass sie sich ändern könnten wenn sie nur genug Glauben hätten oder einfach mehr beteten. Diese Haltung erinnert an Zeiten, als Linkshänder von Frommen bezichtigt wurden „des Teufels“ zu sein und man behauptete, sie könnten Rechtshänder werden, wenn sie nur mehr Glauben hätten. Menschen, denen ständig ein Mangel an Glauben bescheinigt wird, müssen befürchten, dass Gott sie verlassen hat. Aus Verzweiflung fügen sich diese Menschen nicht selten Verletzungen zu oder begehen gar Selbstmord.

Was sagt die Bibel über Homosexualität?

Die Bibel befasst sich an keiner Stelle mit der Gegebenheit einer angeborenen homosexuellen Orientierung im Kontext einer in Treue gelebten monogamen Beziehung. Homosexualität wird weder in den zehn Geboten genannt noch wird sie von Jesus oder den Propheten erwähnt. Dennoch zitieren viele Christen sechs  Bibelstellen, in denen bestimmte Formen gleichgeschlechtlichen Verhaltens verurteilt werden genau so, wie sie Bibelstellen zitieren, in denen heterosexuelles Fehlverhalten verurteilt wird. Ein ansehnliche Zahl von gewissenhaften, geachteten adventistischen Leitern und Lehrern hat sich dieses Themas angenommen; sie haben sich ernsthaft und unter Gebet damit auseinander gesetzt, in dem aufrichtigen Bemühen, die Texte in ihrer Bedeutung richtig zu verstehen. Wenn lange gehegte Vorurteile beiseite gelegt werden, stellt der aktuelle naturwissenschaftliche, psychologische und medizinische Erkenntnisgewinn Werkzeuge zur Verfügung, mit denen unsere Kirche die komplexen Zusammenhänge neu betrachten, bewerten und als “gegenwärtige Wahrheit” verstehen kann. Die nachfolgende Betrachtung ist weder erschöpfend noch will sie als theologisch-wissenschaftliche Abhandlung verstanden werden – sie möchte anregen und einladen zum weiteren Studium. (Eine umfassende Betrachtung bietet das Kapitel von John R. Jones in dem Buch Christianity and Homosexuality: Some Seventh-day Adventist Perspectives)

1 Mose 19, 4-9

Die Gesetze, die sich in den Kapiteln 17-26 des 3. Buches Mose finden, betreffen die rituelle Reinheit im Alltag des hebräischen Volkes. Diese Gesetze werden als eine Einheit in sich verstanden und deshalb als “Heiligkeits-Codex” bezeichnet. Mose leitet das Kapitel 18 mit einer Vorschrift ein, die Praktiken der götzendienerischen Völker Kanaans und Ägyptens zu unterlassen. Gesetze, die es verbieten, zwei verschiedene Getreidearten auf einem Feld anzubauen, aus Mischgewebe angefertigte Kleidung zu tragen, zwei Tierarten miteinander zu kreuzen oder Bart und Haartracht nach Art der heidnischen Völker zu tragen, scheinen symbolisch oder in der praktischen Anwendung die deutliche Abgrenzung von heidnischen Praktiken zu beabsichtigen (s. 3 Mos 20, 26). Das sexuelle Eindringen in einen Mann, eine kanaanäische Praxis im Kontext von Götzendienst, wurde als das Behandeln eines Mannes “wie eine Frau” angesehen, als Verwischen der geschlechtlichen Unterschiede. Solches war mit ritueller Reinheit unvereinbar und musste deshalb verboten werden. Im Neuen Testament sagt Paulus, dass in Christus die Unterschiede zwischen Juden und Heiden der Vergangenheit angehören. Wie die Beschneidung, wird die Beachtung solcher Ritualgesetze für die Nachfolger Christi nicht mehr gefordert. Wir haben nicht das Recht, uns die Gesetze auszusuchen, die noch gelten sollen.

Römer 1, 24-31

In den ersten drei Kapiteln des Römerbriefes stellt der Apostel Paulus klar, dass jeder, Jude wie Heide, ein Sünder ist der Gottes Gnade bedarf. Er schreibt aus Korinth, dem Zentrum des Aphroditekultes – der Verehrung einer Göttin, die beide Geschlechter in sich vereinigte und sie repräsentierte. Paulus kennzeichnet die Heiden als Menschen, die gleichgeschlechtliche Tempelorgien feiern – sich dessen wohl bewusst, dass seine jüdischen Leser diese Zustände  und als Götzendienst bewerteten. Dann dreht er den Spieß um und macht ihnen bewusst, dass auch sie, fromme Juden, Sünder sind. Davon ausgehend, dass jeder Mensch sich natürlicherweise vom anderen Geschlecht angezogen fühlt, sagt Paulus, dass hier Männer und Frauen das für sie Naturgegebene aufgegeben haben um sich in ungezügelter Lust gleichgeschlechtlichem Verkehr hinzugeben. Das führe dazu, so Paulus, dass diese Leute auch anderen Lastern verfielen, wie Neid, Mordlust, Missgunst, Verleumdung, Gottesverachtung usw. Heute jedoch sind wir uns dessen bewusst, dass das was Heterosexuelle als natürlich empfinden, nicht dasselbe ist, was für einen homosexuell Empfindenden naturgegeben ist. Auch verbinden sich all die Laster und Sünden der in gleichgeschlechtlicher Lust zueinander Entbrannten in Paulus’ Aufzählung nicht notwendigerweise mit dem Leben eines homosexuellen Christen. Es dürfte sehr schwierig  sein, die Argumentation des Apostels Paulus auf homosexuelle Christen anzuwenden, die in einer von gegenseitiger Treue und Hingabe getragenen Beziehung leben.

1. Korinther 6, 9-11; 1 Timotheus 1,8

In diesen Lasterkatalogen benutzt Paulus zwei griechische Begriffe, deren Bedeutung nicht ganz klar ist: Malakos bedeutet wörtlich weich(lich). In den Evangelien kommt das Wort dreimal vor und beschreibt jedesmal bestimmte Eigenschaften der Bekleidung der römischen Unterdrücker, die als unangemessen und anstößig betrachtet wurden. Wenn man dabei sexuelle Konnotationen heraushören möchte, so könnten sie sich auf männliche Prostituierte beziehen, die sich schminkten und seidene Gewänder trugen, um auf Kunden beiderlei Geschlechts attraktiv zu wirken. Arsenokoitai ist ein aus den beiden Worten männlich und Koitus zusammen gesetzter Begriff. Die Bedeutung “Geschlechtsverkehr zwischen Männern” ist die nächstliegende und findet sich auch in späterer säkularer Literatur, gewöhnlich in Lasterkatalogen und im Zusammenhang mit anderen Begriffen die Ausbeutung und Gewalt beinhalten, wie z.B. Diebe (1 Kor 6,10) und Menschenhändler (1 Tim 1,10). Auch Zuhälter oder Männer, die sich männlicher Prostituierter bedienen, könnten damit gemeint sein. Wenn diese beiden griechischen Begriffe auf unser heutiges Verständnis von Homosexualität bezogen übersetzt werden, dann überlagern wir sie mit Bedeutungsinhalten unserer modernen Kultur.

Die Bibeltexte, von denen hier die Rede ist, können so verstanden werden, dass sie Verhaltensweisen beschreiben, die veränderbar sind: homosexuelles Vergewaltigen, gleichgeschlechtliche Rituale im Kontext von Götzendienst, kultische Unreinheit oder sexueller Missbrauch. Was sie nicht beschreiben sind Verhaltensweisen, denen eine sexuelle Orientierung zugrunde liegt, die nicht veränderbar ist

Die heterosexuelle Ehe  

Ein Rat der in unserer Kirche von Predigern und Lehrern oft gegeben wird, ist: “Finde einfach ein nettes Mädchen und heirate es”. Würdest du deine Tochter oder deinen Sohn wirklich gerne jemanden heiraten sehen, der homosexuell empfindet und sich im Innersten weder zum anderen Geschlecht hingezogen fühlt noch dessen Attraktivität schätzen kann? Der heterosexuelle Partner in einer Ehe mit einem homosexuell Partner glaubt für gewöhnlich, dass mit ihm selbst etwas nicht in Ordnung ist, dass er selbst es ist, der nicht attraktiv oder begehrenswert genug auf den anderen wirkt. Für den homosexuellen Partner dagegen ist es eine permanente Überforderung, ständig so tun zu müssen, jemand zu sein, der er nicht ist – bis er schließlich nicht mehr in der Lage ist, diesen Stress auszuhalten. Solche Ehen halten
selten länger als zehn Jahre.

Den Zölibat

Einige Verantwortungsträger unserer Kirche sprechen sich für die lebenslange sexuelle Enthaltsamkeit homosexueller Gemeindeglieder aus. Für Paulus ist der Zölibat eine Gabe und er rät, es sei besser zu heiraten als zu “brennen”. Wie ist dieser Rat auf Homosexuelle anzuwenden? Wie die meisten protestantischen Kirchen vertreten wir die Ansicht, dass der Zölibat – die Forderung lebenslänglicher sexueller Enthaltsamkeit für katholische Priester zum Beispiel – eine unnatürliche Lebenspraxis darstellt, selbst in einer spirituellen Lebensgemeinschaft. Wer versucht, sein ganzes Leben lang sexuelle Enthaltsamkeit zu praktizieren wird in der Regel mit Schuldgefühlen zu kämpfen haben, weil seine Erwartungen an sich selbst mit seinen innersten Bedürfnissen und Sehnsüchten unvereinbar sind. Werden sie in einem ungeschützten Augenblick einer Versuchung ausgesetzt, erleben solche Menschen oft einen emotionalen Zusammenbruch; auch die Wahrscheinlichkeit, sich mit sexuell übertragbaren Krankheiten zu infizieren ist dann groß. In vielen Untersuchungen wurde nachgewiesen, dass die intime Komponente in Partnerbeziehungen nicht nur große gesundheitliche Vorteile, Zufriedenheit und Glück mit sich bringt, sondern auch die Lebenserwartung steigert. Haben wir als Christen das Recht, homosexuellen Gliedern unserer Kirche ein höher belastetes und kürzeres Leben zu verordnen? Wenn wir unseren Homosexuellen verweigern, eine für sie bedeutungsvolle, wertvolle, von Liebe getragene Beziehung einzugehen, verwehren wir ihnen dann nicht auch eine Chance, besser verstehen zu können, wie groß die Liebe Gottes zu ihnen ist?

Die von Vertrauen und Treue bestimmte Beziehung Die meisten homosexuellen Adventisten sehnen sich nach Nähe, nach einer liebenden Familie – einer Familie, die der gleicht, in der sie aufgewachsen sind. Sie wünschen sich einen Partner, mit dem zusammen sie eine stabile, gegenseitig befriedigende Beziehung aufbauen können. Die Sexualität ist ein kleiner und doch wichtiger Teil ihres Lebens. Wie ihre heterosexuellen Gegenüber üben sie verantwortliche Zurückhaltung bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie sich ihre Treue geloben und sich gegenseitig binden. Sie verurteilen uneingeschränkt und unmissverständlich Pornografie, Promiskuität und Untreue. Viele Christen und eine wachsende Zahl von Adventisten ist bereit, diese Option zu akzeptieren und zu unterstützen weil Liebe die Basis des Reiches Gottes ist.

Weil es beim Thema Homosexualität noch vieles gibt, was wir nicht verstehen, tun wir gut daran uns bewusst zu machen, dass die Bibel sagt “es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei”, “richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet”, “einer trage des andern Last”, und “liebe deinen Nächsten wie dich selbst”. Die Bereitschaft, sich mit den Erfahrungen von Personen zu befassen die homosexuell fühlen, ist der erste Schritt sie verstehen zu lernen und sie als vollwertige Menschen mit echten Bedürfnissen zu betrachten. In fast allem sind sie uns, die wir heterosexuell fühlen, gleich – bis auf eine Ausnahme. Sie sind Menschen mit den selben Wünschen, den selben Zielen, den selben Hoffnungen wie andere sie Christen haben – uns verbindet unser Menschsein und unser  gemeinsamer Schöpfer. Unser Heiland, der sich oft ganz bewusst mit Ausgestoßenen und Randsiedlern der Gesellschaft abgegeben hat, war auch der, von dem gesagt war, dass er “das geknickte Rohr nicht zerbrechen” und “den glimmenden Docht nicht auslöschen” würde. Wenn uns als seinen Nachfolgern am Sabbat im Gottesdienst ein homosexueller Mann, eine homosexuelle Frau oder ein homosexuelles Paar begegnet, ist es dann nicht das Evangelium von der Gnade und Liebe Gottes, das uns geradezu drängt, diesen Menschen in Demut zu begegnen – und uns unserer großen Gemeinsamkeit bewusst zu werden: dass wir alle sind Sünder sind? Wenn wir sie zurückweisen und  ihnen die Gemeinschaft verweigern, verwehren wir dann nicht dem Heiligen Geist eine Gelegenheit, an unseren und an ihren Herzen zu wirken?
 
Sollten wir uns  für die gesetzliche Gleichstellung von Homosexuellen einsetzen?
Unsere adventistische Einstellung zur Trennung von Kirche und Staat müsste uns eigentlich dazu inspirieren, uns für die bürgerlichen Rechte von Schwulen und Lesben einzusetzen und damit zu deren Schutz vor Kriminalisierung, Hass, Verfolgung und Diskriminierung beizutragen.
 
Positionierungen professioneller Organisationen
  • Die American Psychiatric Association [Amerikanische Gesellschaft für Psychiatrie] hat den Begriff Homosexualität 1973 aus ihrer Liste der Geisteskrankheiten gestrichen.
  • Das American Law Institute [Amerikanisches Institut für Gesetzge-bung] aktualisiert ständig seinen Model Penal Code [Muster-Strafrechts-Codex]. Das sind gesetzliche Regelungen, die dieses Institut zur Übernahme in die staatliche Gesetzgebung vorschlägt. Seine Empfehlung im hier vorliegenden Fall lautet, “dass das private, einvernehmliche Sexualverhalten von erwachsenen Personen entkriminalisiert und damit legalisiert werden sollte”.
  • Die American Bar Association  [Amerikanische Richtergesellschaft] hat 1974 ihre Zustimmung zum Model Penal Code [Muster-Strafrechts-Codex] bekundet, einschließlich des Entwurfs zur Entkriminalisierung einvernehmlich praktizierter Homosexualität von Erwachsenen.
  • Die World Health Organization (WHO) [Weltgesundheitsorganisation] der Vereinten Nationen entfernte den Begriff Homosexualität 1981 aus ihrer Auflistung von Geisteskrankheiten.
  • Die American Psychological Association  [Amerikanische Gesellschaft für Psychiatrie] hat 1997 eine Resolution verabschiedet, die “ethische Bedenken anmeldet bei Versuchen, die sexuelle Orientierung von Personen zu ändern”, in der sie sich “den Widerstand der Psychologie gegen Homophobie” zu eigen macht und sich für “das Recht von Klienten auf uneingeschränkte Gleichbehandlung” einsetzt.
  • Die American Medical Association (AMA) [Amerikanische Medizinergesellschaft] hat 1994 einen Bericht veröffentlicht, in dem sie Ärzte zur “verurteilungsfreien Akzeptanz der sexuellen Orientierung” ihrer Patienten aufruft.
  • Die Academy of Pediatrics [Gesellschaft für Kinderheilkunde] und das Council on Child and Adolescent Health [Verband für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen] haben festgestellt, dass Homosexualität nicht das Ergebnis einer willentlichen Entscheidung und somit nicht veränderbar ist.

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Zusätzliche Informationen:

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Última atualização em Qua, 03 de Agosto de 2011 23:36
 

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